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Einsteiger-Fragen im Bewerber-Chat

Ein Protokoll aus dem Bewerber-Chat mit Antworten auf typische Einsteiger-Fragen rund um Bewerbung, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch.

Moderator: Willkommen beim Einsteiger-Fragen im Bewerber-Chat mit Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler: Hallo, ich freue mich über Ihre aktive Teilnahme und über viele Fragen!

AndreaH: Hallo Herr Winkler. Schön, einen Experten anzutreffen.

Gerhard Winkler: Haben Sie vielleicht eine Frage an den Experten?

H1: Hallo Herr Winkler, ich bin Lehrer einer BVJ-Klasse, die Mädels sind alle nicht sehr gut in der Schule, wie können in der Bewerbung die Schulnoten relativiert werden?

Gerhard Winkler: Gute Leistungen müssen nicht unbedingt durch Noten nachgewiesen werden. Eine Referenzperson hat viel mehr Gewicht. Wichtig ist, dass jeder seine eigenen, persönlichen Vorzüge und Stärken beschreibt und aufzeigt, bei welcher Gelegenheit er sie schon erprobt hat.

joerg: Hallo, ich hab eine Frage zur Onlinebewerbung. Wie unterschreibe ich das als PDF angehängte Anschreiben?

Gerhard Winkler: Einen Lebenslauf muss man nicht unterschreiben. Ort-Datum-Unterschrift am Ende ist nur eine alte Sitte. Da gibt es keine Muss-Vorschrift dazu. Der Lebenslauf hat aktuell zu sein und er ist sowieso rechtsverbindlich. Wenn Sie täuschen und tricksen und es kommt raus, ist dies auch ohne Signatur auf dem Lebenslauf ein Entlassungsgrund.

AndreaH: Ich bin betriebsbedingt gekündigt. Wie erwähne ich das in einem Anschreiben? Bisher habe ich's unterschlagen.

Gerhard Winkler: "Eine betriebsbedingte Kündigung sehe ich als Chance, mich in einer neuen, anspruchsvollen Aufgabenstellung zu bewähren" - wobei man die Adjektive tunlichst variiert.

H1: Hallo Herr Winkler, wie können meine schwachen Schülerinnen ihre schulischen Leistungen in der Bewerbung "verstecken"?

Gerhard Winkler: Geben Sie den Schülern in den letzten zwei Schuljahren jede Gelegenheit, sich in Projektarbeit und außerschulischem Engagement zu bewähren. Die Phase vor dem Abschluss ist ganz wichtig, um Fleißkärtchen zu sammeln. Gute Noten sind oft weniger wertvoll als Engagement, Bewährung in kleinen Jobs etc.

tobi: Hallo, Herr Winkler. Ich habe nun wirklich viele Bewerbungen geschrieben. Leider nur Absagen. Jetzt hat mein Lehrer gesagt, ich solle eine Onlinebewerbung machen - aber nicht wie.

Gerhard Winkler: Onlinebewerbung: Entweder die Online-Formulare auf Firmen-Web-Sites ausfüllen oder sich per E-Mail bewerben.

utdrexel: Hallo ... ich habe gerade mein Studium in den USA abgeschlossen und möchte mich jetzt für Jobs in Deutschland bewerben. Derzeit lebe ich aber noch in den Staaten. Glauben Sie, dass das für mich ein Hindernis ist beim Bewerben?

Gerhard Winkler: Bieten Sie ein Telefoninterview an und erklären Sie, dass Sie gern anrufen und die Kommunikationskosten übernehmen.

ute im norden: Mir fehlt bei verschiedenen Jobangeboten mal diese Qualifikation, mal jene ... wie kann ich den Arbeitgeber überzeugen, diese eventuell arbeitsagenturgefördert nachzuholen (mit seiner Einstellungszusage)?

Gerhard Winkler: Ich würde klären, was meinem Profil noch fehlt und mich jetzt aktiv drum kümmern, dass ich die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerbe. Mich würden Sie als Jobsuchende mit Beteuerungen, dass Sie später im Job alles nachholen, nur schwer überzeugen. Arbeitgeber ist klar, dass jeder eine Einarbeitungszeit braucht - aber es gibt meist Mitbewerber, die nicht so lange benötigen.

totalabsage: Hallo, Herr Winkler, Sie schreiben auf Ihrer Seite: "Lass niemanden daran zweifeln, wo du dein Schwert trägst." - Was meinen Sie damit?

Gerhard Winkler: Zeigen Sie Ihre Stärken, Ihre Kenntnisse, Ihre Kompetenz, Ihre Erfahrung, Ihr Können. Machen Sie unmissverständlich sichtbar, was Sie auszeichnet. Wenn Sie nicht gut über sich sprechen, wer sonst?

joerg2: Und das Anschreiben? Mit freundlichen Grüßen und dann Maschinen-Name oder eingescannte Unterschrift?

Gerhard Winkler: Anschreiben per Mail: maschinenschriftlich Grußformel + Leerzeile + vollständiger Name. Ebenso bei Anschreiben, das als PDF- oder Word-Dokument verschickt wird. Eingescannte Unterschriften sind immer ein bisschen affig. In der Zeit, in der Sie Ihre Unterlagen verschönern, könnten Sie zwei Jobanbieter anrufen und sich vorstellen...

Stuttgart70: Hallo Herr Winkler, ich hab eine konkrete Frage und zwar zu "Blindbewerbungen": Ich weiß nicht direkt, wie ich hier vorgehen soll, a) Firmen zu finden, bei denen sich Blindbewerbungen lohnen könnten (wie recherchiert man hier am Besten auch in anderen Bundesländern) und b) was genau ich in das Anschreiben schreiben soll, da doch keine konkrete Stelle ausgeschrieben ist. Wie formuliert man seine Einsatzmöglichkeiten möglichst offen, ohne plan- und ziellos zu erscheinen?). Haben Sie einen Tipp?

Gerhard Winkler: Mehr Firmen, als Sie je kontakten können, finden Sie im Web. Es gibt keine "Blind"bewerbung. Sie halten jeweils ein Briefing (einen Kurzvortrag) über Ihre besondere Eignung für einen ganz bestimmten Job in dieser bestimmten Organisation.

rui: Nach meinem Studium der Elektrotechnik arbeite ich momentan in der Produktion und empfinde diese Tätigkeit als kontraproduktiv. Ist es nicht sinnvoller, als Elektriker/Techniker oder etwas Vergleichbarem (Praktikum, Masterstudium) zu arbeiten?

Gerhard Winkler: Wenn Sie als Absolvent eine Arbeit annehmen, die Sie völlig unterqualifiziert, müssen Sie nach 3 Monaten die Notbremse ziehen. Massiv bewerben. Weltweit.

AndreaH: Das Schlusszeugnis hat Fehler und ist (anders als die beiden Zwischenzeugnisse) nur gut. Es wird darin auf diese verwiesen. Ist das okay?

Gerhard Winkler: Oh nein. Fehler ausmerzen und die Inhalte der Zwischenzeugnisse in das Endzeugnis einfließen lassen. Klingt, als wäre Ihr Ex-Arbeitgeber ein Hallodri. Bestehen Sie auf ein vollständiges Arbeitszeugnis.

H1: Sind Hobbys in einer Azubi-Bewerbung sinnvoll/notwendig?

Gerhard Winkler: Ich bin wahrscheinlich im Widerspruch zur ganzen bekannten Berater-Welt mit dieser Ansicht: Im Lebenslauf und im Anschreiben keine Hobbys, aber immer sein Engagement anführen. Im Jobinterview dann die Frage nach den Freizeitinteressen sehr überzeugend beantworten. Wenn man zum Beispiel gern liest, vor dem Interview ein gutes Sachbuch lesen und sich den Inhalt merken. - Alle meine Klienten fahren gut damit, dass sie nicht gleich alles rausrücken. Im Endeffekt bringen sie ihre persönlichen Stärken im Gespräch viel besser rüber. Ausnahme: Sie sind sehr jung und noch ein total unbeschriebenes Blatt, Sie haben keine echten Proargumente, aber eben ein, zwei Hobbys, die ihre Interessensgebiete mehr oder minder abdecken. Allerdings - was hat man da schon für Hobbys und warum sollen die gerade einen Ausbilder begeistern ... Fazit: 1, 2 Jahre vor dem Bewerben anfangen, aktiv am Sozialleben, am Vereinssport, an der Arbeitswelt, an Projekten teilnehmen!

AndreaH: Einige meiner Bekannten haben grade Ausbildungsplätze bekommen. Die Ausbilder beschweren sich über die schwachen oder fehlenden Sprachkenntnisse. Wie wichtig stufen Sie Sprachen ein?

Gerhard Winkler: Was einen in der Ausbildung, im Beruf und im Leben immer weiterbringt, sind die Überlebenshelfer: sich auf Englisch gut verständigen, auf Deutsch fehlerfrei formulieren, 30 Minuten Smalltalk mit fremden Menschen können, gute Kinderstube ... und natürlich ein Verständnis für Zahlen, Größen, Werte! Ganz wichtig: Wenn Eltern und Schule nichts dafür tun, muss man sich selber erziehen!

H1: Die großen Handelsketten bieten ja alle Onlinebewerbungen. Ist es nicht besser, sich trotzdem schriftlich zu bewerben?

Gerhard Winkler: Als Absolvent nutzen Sie die Online-Formulare - außer, Sie können sich einen direkten Zugang verschaffen (Durchwahl oder persönliche Mailadresse des Bewerbungsempfängers, Fürsprecher oder Agent in der Zielfirma, die für einen eintreten kann) .

Chris: Hallo, Herr Winkler, ich habe eine schulische und zwei berufliche Ausbildungen und bin 25 Jahre. Muss ich bei Bewerbungen wirklich alle Zeugnisse hinzufügen?

Gerhard Winkler: Sie legen bei, was Ihre Behauptungen und Angaben belegt. Jobanbieter sind aus Erfahrung misstrauisch.

sunnyjogger: Hallo Herr Winkler, stimmt es, dass man sein Foto auf das Deckblatt kleben muss?

Gerhard Winkler: Oh, oh, ich bekomme Schaum vorm Mund, wenn ich das Wort Deckblatt auch nur lese. Ich knurre. Wozu Deckblätter? Unschuldige Bäume sterben für diesen Quatsch. - Foto rechts oben auf die erste Seite des Lebenslaufs montieren.

totalabsage: Was würden Sie vorschlagen, sollte man am besten mit einer Fördermöglichkeit des Arbeitsamtes umgehen, wenn man eine längere Arbeitslosigkeit mit Selbstständigkeit begründen will?

Gerhard Winkler: Ich verstehe die Frage nicht. Warum versuchen Sie nicht ernsthaft, sich als Selbstständiger durchzuschlagen? Bei mir klappt das doch auch und ich bin so was von unselbständig. Freiberuflich zu arbeiten ist für Dienstleister, Techniker etc. eine echte Alternative.

buschwerker: Hallo Herr Winkler, ich habe auch Fragen, bin 46 Jahre jung, hab mich hierher verlaufen, weil ich heute die Ankündigung des Chats auf Ihrer Website gesehen hab. Bin ich mit meinen 46 Jahren willkommen???

Gerhard Winkler: Was soll ich sagen, ich bin 50 und mache dennoch hier den Mund auf.

heiko: Werden einem ein paar Monate Jobsuche ewig als Makel im CV ausgelegt, als schlechte Planung?

Gerhard Winkler: 1. Heute sind so viele länger arbeitslos. Das ist längst kein Makel mehr. 2. Nach zwei Monaten NUR-Jobsuche MÜSSEN Sie etwas finden, was Sie beschäftigt und was Sie im Lebenslauf anführen: Ehrenamtliches Engagement, freiberufliche Tätigkeit, Aushilfsjobs, Weiterbildung. Tun Sie NIEMALS NICHTS.

H1: Können Bewertungsbögen für die wichtigsten Schlüsselqualifikationen der Bewerbung beigelegt werden oder sollte es nur ein Qualifikationspass-Formular sein?

Gerhard Winkler: Müllen Sie Jobanbieter nicht mit Papier zu. Immer überlegen: Belegt das meinen Anspruch? Gibt es etwas, was noch mehr überzeugt? Ein Referenzschreiben oder die Angabe einer Person, die einen beurteilen kann ...

totalabsage: Wie kann man einem potentiellen Arbeitgeber am besten deutlich machen, dass wenn das Bewerbungsverfahren nicht erfolgreich ist, man auch an einem Praktikum oder einer unentgeltlichen Probearbeit interessiert wäre, ohne sich selbst zu entwerten?

Gerhard Winkler: Am Ende des Anschreibens darauf verweisen.